Wer sind die Freidenker?

Seit dem 1. Juni 1991 sind die Freidenker wieder in einem gemeinsamen Deutschen Freidenker-Verband mit Sitz in Dortmund und Landesverbänden in allen Bundesländern vereinigt.

Der Deutsche Freidenker-Verband ist Weltanschauungsgemeinschaft, Kulturorganisation und Interessenvertretung konfessionsfreier Menschen.

Er steht in der Tradition der über 100-jährigen Geschichte der organisierten Freidenkerbewegung.

Ausgehend von den historischen Erfahrungen und Lehren der gesamten Fortschritts- und Freiheitsbewegung, mit dem Blick auf die Gegenwart und das bevorstehende 21. Jahrhundert bestimmen die Freidenker heute ihre nächsten Ziele, Wege und Arbeitsfelder.

Schon auf ihrem Kongress 1904 erklärte die Weltunion der Freidenker:

“Sie verwirft im Namen der menschlichen Würde das dreifache Joch: die missbräuchliche Gewalt der Autorität auf religiösem Gebiet, des Privilegs auf politischem Gebiet und des Kapitals auf wirtschaftlichem Gebiet.”

Nach Vollzug der staatlichen Einheit Deutschlands stellen sich mit neuer Scharfe Fragen nach einem tragfähigen Lebenssinn, einer demokratischen politischen Kultur und einem auf Humanität und Toleranz gegründeten Zusammenleben.

Die Hauptprobleme der Menschheit sind globaler Natur. Sie äußern sich insbesondere durch die Bedrohung des Friedens, die Gefährdung der Biosphäre, die dramatische Verschlechterung der Arbeits- und Lebensbedingungen der Menschen in den Industrieländern und die fortdauernde neokoloniale Ausplünderung auf den Kontinenten Afrika, Asien und Lateinamerika, die Bestrebungen zur Neuaufteilung der Welt und der Märkte und die verstärkte Wiedereinsetzung kriegerischer Gewalt als Mittel der Politik.     Nationalistische Überheblichkeit, Rassismus, religiöser Fanatismus und Intoleranz gegenüber Andersdenkenden haben bedrohliche Ausmaße angenommen.     Freidenkerinnen und Freidenker bemühen sich um Antworten bezüglich der Ursachen der alle Lebensbereiche umfassenden allgemeinen weltweiten Krise.

Sie erfasst vor allem die menschlichen Werte und die Moral, besonders nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und jener Länder in Europa, die eine sozialistische Gesellschaftsordnung zu errichten versuchten.

Mit der politischen und moralischen Verurteilung des Sozialismus nehmen die herrschenden Kreise die liberalen und demokratischen Vernunfts- und Gleichheitsideale noch mehr zurück, als das vorher schon der Fall war.

Der DFV macht es sich nicht zur Aufgabe, bestimmte Gesellschaftssysteme zu propagieren. Freidenkern ist der Glaube an den Ewigkeitswert bestehender Ordnungen fremd, ihnen ist bewusst, dass es kein Ende der Geschichte gibt.

Wir betrachten den Zusammenbruch des 1917 begonnenen Versuches, als Alternative zum Kapitalismus eine sozialistische Gesellschaft zu errichten, als keineswegs gleichbedeutend mit dem ‘Ende’ sozialistischer, emanzipatorischer und humanistischer Ideen und Ideale. Jeder Zukunftsentwurf und jeder Fortschritt muss sich daran messen lassen, dass er die Menschenrechte garantiert und weiterentwickelt, Minderheiten schützt, Gerechtigkeit und Solidarität fördert und insbesondere den Herausforderungen der krisenhaften Weltsituation angemessen ist.

In ihrer gesamten Geschichte wandten sich Freidenker stets gegen die Vertröstung auf ein besseres ‘Jenseits’, sie stellten immer die Verteidigung der Menschenwürde in den Mittelpunkt ihrer Arbeit, kämpften für ein menschenwürdiges Leben sowie solche sozialen und politischen Verhältnisse, die es ermöglichen.

Die heutige Zeit erfordert den konsequenten Kampf gegen Rassismus, Intoleranz, Fremdenhass und Irrationalismus. Darum betrachten wir Antifaschismus als Schlüssel für das Öffnen und Offenhalten einer menschlichen Zukunft. Dafür haben Freidenkerinnen und Freidenker ihr Leben eingesetzt.

Das Leben und Wirken des 1944 von den Faschisten ermordeten DFV-Vorsitzenden Max Sievers bleibt dem Deutschen Freidenker-Verband Vermächtnis und Verpflichtung.