Freies denken?

Der Deutsche Freidenker-Verband als Weltanschauungsgemeinschaft versteht darunter ein Denken,

  • das sich befreit von religiösen oder anderen Dogmen und Tabus,
  • das jeweils die Suche nach der Wahrheit zum wichtigsten Kriterium hat und dem Wohl des Menschen und der Menschheit verpflichtet ist,
  • das für die weltanschauliche Selbstbestimmung des Menschen eintritt,
  • dem die Überzeugung zugrunde liegt, dass der Mensch die Fähigkeit besitzt, sich ein Bild von der Welt, wie sie wirklich ist, und seinem Platz in ihr zu machen, seinen Selbstwert aus diesem Zusammenhang zu begreifen und seinem Leben so begründet einen Sinn zu geben,
  • das geprägt ist durch die Erfahrungen und den Umgang mit den vielfältigen persönlichen und gesellschaftlichen Lebensbereichen, den Widersprüchen, Konflikten und deren Lösungsmöglichkeiten, die zur persönlichen Lebenserfahrung werden,
  • das ausschließt, dass dem Menschen durch ein religiöses Bekenntnis oder ein von fremder Instanz verordnetes Weltbild die Verantwortung für das eigene Denken und Handeln, für die eigene Lebensgestaltung abgenommen werden kann.

Freies Denken heißt auch

  • eine rationale Weltsicht ohne “höhere Wesen”, übersinnliche Mächte und Irrationalismus,
  • eine Welt- und Selbsterkenntnis auf dem Niveau der Wissenschaft unserer Zeit, damit Wirklichkeit und Entwicklung erkennbar und ihre Gestaltung im Sinne menschlicher Verhältnisse möglich ist,
  • Fragen, Zweifel und Kritik als Mittel zur Erkenntnis zu nutzen,
  • sich weder vor den Konsequenzen des eigenen Denkens noch vor fremden Mächten, die Macht alter Denkgewohnheiten oder Vorurteile eingeschlossen, zu fürchten, sondern Bereitschaft und Mut, sich des eigenen Verstandes zu bedienen und frei von Bevormundung zu denken.

Freies Denken soll zugleich dem Zweck dienen, den persönlichen Lebensbereich, die gesellschaftlichen Verhältnisse und die internationalen Beziehungen nach dem Maßstab der Vernunft und Toleranz, der Solidarität und tätigen Humanität sowie des gesellschaftlichen Fortschritts einzurichten.

In diesem Sinne verstehen wir freies Denken als Ausdruck einer aktiven und selbstverantwortlichen Lebenshaltung.

Der Mensch als biotisches und psycho-soziales Wesen kann mit Verstand und Gefühl, mit Emotionen, mit seiner ganzen Persönlichkeit einen wichtigen Beitrag leisten, daß Menschlichkeit und Menschenliebe das eigene Verhalten wie die Politik mehr und mehr prägen.

So wirkt der DFV für ein Ethos des gemeinsamen Lebens, das bestimmt wird durch die Respektierung der Menschenwürde, durch Toleranz und das Streben nach Dialog, durch Rücksichtnahme, Hilfsbereitschaft und Solidarität, durch Gewaltfreiheit und Achtung von Minderheitenrechten, durch die Anerkennung der prinzipiellen Gleichwertigkeit und Gleichberechtigung aller Menschen.

Der DFV tritt für Bedingungen ein, unter denen diese Grundsätze des Freien Denkens maximal verwirklicht werden können, für die umfassende Bildung und Entwicklung des Menschen, seine bewusste Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, eine strikt menschenrechtlich orientierte Politik, die den Fortbestand der menschlichen Zivilisation und ihre Emanzipation sichert.